„Ich wette, ihr seid einfach dick und hässlich.“ Das ist ein eher noch gemäßigtes Beispiel für die Art von Kommentaren, die sich Bloggerinnen bieten lassen müssen, die im Netz über feministische oder Queer-Themen schreiben. Viele Leser-Reaktionen triefen vor Hass, auch Gewaltandrohungen kommen vor, und auf Foren werden persönliche Daten und Fotos von AktivistInnen gepostet — zum Abschuss freigegeben. Die Anonymität im Netz bietet die Deckung, aus der solche Angriffe kommen können.
Anonymität im Internet sei trotzdem zu verteidigen, meint Kathrin Ganz, Gender-Studies-Absolventin und Bloggerin — damit überhaupt eine Debatte über wichtige gesellschaftliche Themen stattfinden könne. Klarnamen von Lesern zu fordern sei eine Hemmschwelle für ernsthafte Kommentatoren, aber Trolle, so der Netz-Slangausdruck für die Störenfriede, ließen sich davon nicht beeindrucken.
Wie BloggerInnen sich trotzdem wehren können, das war Thema des re:publica-Vortrags „Shitstorm? You can do it!“, den Kathrin Ganz zusammen mit Helga Hansen, einer freien Wissenschaftsjournalistin, die bei auch bei Mädchenmannschaft bloggt, heute Mittag in der Kalkscheune hielt. Der kleine Raum im ersten Stock füllte sich rasch, bald war nur noch am Boden ein Sitzplatz zu ergattern — Troll-Kommentare sind offensichtlich ein Problem, mit dem sich viele notgedrungen beschäftigen müssen.
Feministischer Shitstorm auf Twitter
Helga Hansen berichtete in ihrem Teil des Vortrags über mehrere im Netz geführte Kampagnen, die erfolgreich waren. Erfolgreich heißt: Sie fanden viel Widerhall in sozialen Netzwerken und auf Twitter, und sie wurden daraufhin von stark besuchten Websites und von klassischen Medien aufgegriffen. Was wichtig sei, um ein größeres Publikum zu erreichen und feministische Themen in den Mainstream zu tragen, wo diese sonst keine große Rolle spielten.
Als ein Beispiel nannte Helga Hansen „MooreandMe“: ein „feministischer Shitstorm“, initiiert von der freien Journalistin und Bloggerin Sady Doyle und gerichtet gegen den Filmemacher Michael Moore und den ehemaligen MSNBC-Nachrichtenmoderator Keith Olbermann. Die beiden hatten Ende 2010 in den Gerüchte-Rummel um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Julian Assange aufseiten des WikiLeaks-Gründers eingegriffen, falsche Fakten verbreitet und die Glaubwürdigkeit der beiden mutmaßlichen Opfer infrage gestellt. Olbermann half sogar dabei, auf Twitter das Gerücht auszustreuen, eine der beiden Schwedinnen habe CIA-Kontakte. Dankbare Abnehmer für derlei Geschichten waren unzählige Trolle, die im Netz ausschwärmten, um in Blog-Kommentaren gegen eine angebliche Anti-Assange-Schmutzkampagne zu poltern.
Für Doyle ein Beispiel für ein gesellschaftliches Klima, in dem Frauen, die zum Ziel sexueller Übergriffe werden, vom Grunde auf nicht geglaubt wird. Sie startete deshalb ihre Aktion unter dem Hashtag #MooreandMe (eine Anspielung auf Moores Film Roger & Me) und rief ihre LeserInnen dazu auf, an @MMFlint oder @KeithOlbermann zu twittern und sie mit Fragen zu bombardieren. Das Resultat: Zumindest Moore sah sich irgendwann gezwungen, sich öffentlich dazu zu äußern. Er tat dies in der Rachel Maddow Show im US-Fernsehen:
Every woman who claims to have been sexually assaulted or raped has to be must be taken seriously, and those charges have to be investigated to the fullest extent possible … these two alleged victims have to be treated very seriously and Mr. Assange has to answer the questions. (Quelle: Huffington Post)
Von Olbermann jedoch blieb eine ähnliche Reaktion aus.
Dieser Beitrag hat zwei Teile, der zweite findet sich hier: „Wie frau mit Trollen fertig wird: Hass-Kommentare als Geldquelle“. Darin geht es um die Website hatr.org, die von Kathrin Ganz im Vortrag vorgestellt wurde.








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[…] zum Panel „Shitstorm? You can do it!“ gibt es bei der netzdebatte der Bundeszentrale für politische Bildung und am Montag mit einem Interview auf ALEX um 20:15 Uhr (und später online). Online anhören kann […]
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[…] Auf Netzdebatte gibt es einen Beitrag über Katrin Ganz’ (“i heart digital life“) und Helgas Panel: “Wie frau mit Trollen fertig wird: Shitstorm zurück an den Absender“. […]
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